Beziehungsformen – Was bedeutet Coercive Control?
Coercive Control
Coercive Control ist ein Gewaltmuster in Beziehungen, bei dem eine Person das Leben der anderen durch Isolation, Überwachung, Regeln, Drohungen und Herabsetzung schrittweise kontrolliert, oft ganz ohne körperliche Übergriffe.
Was bedeutet Coercive Control?
Coercive Control heißt übersetzt etwa „Zwangskontrolle“. Bekannt gemacht hat den Begriff vor allem der US-Soziologe Evan Stark mit seinem Buch „Coercive Control“ von 2007. Gemeint ist ein Muster von Gewalt, bei dem eine Person Stück für Stück die Kontrolle über das Leben der anderen übernimmt, bis kaum noch Freiheit bleibt. Typisch sind Isolation von Freunden und Familie, Kontrolle von Handy und Geld, Regeln zu Kleidung, Essen oder Schlaf, Drohungen und ständige Abwertung. Weil oft keine sichtbaren Verletzungen entstehen, ist diese Gewalt schwerer zu erkennen als Schläge, für Betroffene wie für ihr Umfeld. Einen eigenen Straftatbestand dafür gibt es in Deutschland bisher nicht, er wird aber diskutiert. Einzelne Handlungen wie Nachstellung, Bedrohung oder Nötigung können jedoch strafbar sein.
Was unterscheidet Coercive Control von Kink oder einer D/s-Beziehung?
Kink und Machtgefälle werden ausgehandelt, sind einvernehmlich und lassen sich jederzeit stoppen. Grenzen werden besprochen, Safewords gelten, und die devote Person behält ihre Freunde, ihr Geld und ihr Leben außerhalb der Dynamik. Coercive Control wird nie vereinbart. Sie schleicht sich ein, nimmt Entscheidungen weg und bestraft Widerstand. Wenn die „Regeln“ nie verhandelt wurden, ein Nein zu Drohungen oder Schweigen führt oder du Angst vor der Reaktion deines Partners hast, ist das keine Dynamik, sondern Gewalt.
Wo bekommst du Hilfe bei Coercive Control?
Gewalt ist nie die Schuld der Betroffenen. Wenn du dich hier wiedererkennst, sprich mit einer Vertrauensperson. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist unter 116 016 rund um die Uhr erreichbar, kostenlos, anonym und in vielen Sprachen. Auch Männer bekommen Unterstützung, zum Beispiel beim Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 1239900. Die Beratung hilft auch, wenn du noch unsicher bist, ob das, was du erlebst, schon Gewalt ist. Bei akuter Gefahr wähl den Notruf 110. Wenn möglich, bewahre Notizen, Screenshots oder Nachrichten an einem sicheren Ort auf, sie können später wichtig sein.