Orientierungen & Identitäten – Was bedeutet comphet?
Comphet
Comphet, kurz für Compulsory Heterosexuality, ist der gesellschaftliche Druck, der Heterosexualität wie den Standard wirken lässt, sodass Menschen Erwartungen mit echter Anziehung zu einem anderen Geschlecht verwechseln können.
Was bedeutet Comphet?
Comphet ist die Kurzform von „Compulsory Heterosexuality“, auf Deutsch Zwangsheterosexualität. Den Begriff prägte die US-amerikanische Dichterin und Feministin Adrienne Rich 1980 in ihrem Essay „Compulsory Heterosexuality and Lesbian Existence“. Ihre These: Die Gesellschaft nimmt nicht nur an, dass Frauen hetero sind, sie drängt sie über Familie, Medien, Religion und Geld auch dorthin. Heute nutzen vor allem lesbische und bi Frauen das Wort, um Schwärmereien für Männer zu beschreiben, die sich eher nach Pflicht als nach Lust anfühlten. Bekannt wurde es durch das „Lesbian Masterdoc“, ein langes Tumblr-Dokument von 2018 mit typischen Anzeichen.
Woran erkennt man Comphet?
Viele erzählen, dass sie sich einen Schwarm suchten, weil alle einen hatten, dass ihnen die Idee eines Freundes besser gefiel als der Mann selbst, dass sie erleichtert waren, wenn ein Date ausfiel, oder dass sie sich die Hochzeit ausmalten, aber nie den Bräutigam. Manche merken, dass die Gefühle für Freundinnen intensiver waren. Nichts davon beweist für sich allein etwas. Nimm die Anzeichen als Fragen, nicht als Diagnose, und lass dir Zeit. Viele finden das erst später im Leben heraus, und das ist völlig okay.
Heißt Comphet, dass sich alle Heteros über sich selbst irren?
Nein. Comphet beschreibt einen gesellschaftlichen Druck, kein Urteil über die Orientierung einzelner Menschen. Viele Heteros sind einfach hetero, und ihre Anziehung ist echt. Der Druck betrifft auch Männer und Menschen jedes Geschlechts, auch wenn es in der Debatte meist um Frauen geht. Es geht darum, den Standard hinterfragen zu dürfen, nicht darum, anderen zu sagen, wer sie sind.